Logo

Auf geht-s-der Reha-Podcast! Neue Wege schaffen für Unfallopfer, Rechtsanwälte und Versicherungen im Personenschadenmanagement

Der "Auf geht's - der Reha-Podcast" richtet sich an (Verkehrs-)Unfallopfer und deren Angehörige, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Versicherungen die sich mit Personenschadenmanagement beschäftigen sowie an alle an sozialer, medizinischer und beruflicher Rehabilitation Interessierten. Ohne Fachsprache unterstützt der "Auf geht's - der Reha-Podcast!" Verkehrsunfallopfer und deren Angehörige bei Ihrer Veränderung.


Download (19,3 MB)

Logo

In dieser Sendung geht es um die berufliche Rehabilitation nach schweren nervlichen Schäden: Diagnose Schädelhirntrauma dritten Grades. Ein SHT Grad 3 folgt aus mindestens 60-minütiger Bewusstlosigkeit und hat in der Regel gravierende neurologische Folgeschäden, bei denen grundlegende Fähigkeiten wie Sprache und kognitives Verständnis beeinträchtigt werden können. Im Gespräch erzählt Florian Borrmann von seinen ganz persönlichen Erfahrungen nach einem Autounfall im Jahr 2002. Der oft steinige Weg begann für ihn im Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst.

Im NRZ Friedehorst verbrachte Florian Borrmann ein ganzes Jahr. Er musste nach dem schweren Schädelhirntrauma, welches im Volksmund (bei leichteren Fällen) oftmals auch „Gehirnerschütterung“ genannt wird, viele Dinge neu erlernen: zum Beispiel essen, laufen, und auch das Sprechen. Danach schaffte er es, einen Hauptschul- sowie einen Realschulabschluss zu erlangen, was ihn jedoch ganze vier Jahre kostete.

Im Anschluss folgte für Borrmann ein einjähriger Aufenthalt in der Reha-Aktiv Bersenbrück, in der er Unterstützung bei der Berufsorientierung erhielt. Erstmals hat er dort auch eine eigene Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen – die Wohnung sowie Reha wurden dabei finanziert von der gegnerischen Haftpflichtversicherung. Schließlich begann Florian Borrmann eine Ausbildung zum staatlich geprüften Pflegeassistenten, die er innerhalb von drei Jahren abschloss. Er betont, dass sowohl die Reha als auch die schulische Ausbildung nicht immer einfach war: Lernen sowie das Austarieren der Wohnsituation fiel ihm schwer – zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Aber durch die engagierte Unterstützung der Familie hat er es geschafft, die Bewerbungsphase zu überbrücken.

Eine Stelle fand er bald im Aphasie-Zentrum Vechta: dort ist Florian Borrmann seit 2014 als Arbeitnehmer im hauswirtschaftlichen Bereich tätig. In diesem Bereich sah Borrmann schon immer seine Interessen und Stärken, und kann diese somit nun voll und ganz ausnutzen. Er ist mobil und kann wie gewünscht eher manuellen statt schreibtischintensiven Tätigkeiten nachgehen. Florian Borrmann fühlt sich zwar im „hier und jetzt“ angekommen und ist zufrieden mit seiner Situation und auch seinem aktuellen Arbeitsplatz, ist aber zugleich auch ambitioniert, im Leben weitere Erfahrungen zu sammeln und auch mal den Job zu wechseln. Er erinnert sich gerne an die Motivation in der Ausbildung zum Sozialassistenten zurück, die ihm dabei geholfen hat, sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren und „durchzustarten“.

Die persönliche Geschichte von Florian Borrmann verlief dank beruflicher Rehabilitation also überaus positiv. Weitere Informationen über die Leistung zur Teilhabe, vor allem auch bei bleibenden Schäden bis hin zur Behinderung, erhält man unter anderem beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Auf-geht-s-der-Reha-Podcast
Kommentare (0)




Download (17,1 MB)

Logo

Heute stehen die Menschen im Vordergrund, die in der Gesellschaft oft ganz weit außen stehen und häufig nicht nur mit realen äußeren Einschränkungen, sondern auch mit Stigmatisierungen zu kämpfen haben: Rollstuhlfahrer. Es gibt unendlich viele Gründe, wieso jemand im Rollstuhl landet. Ob es eine Krankheit ist, die sich durchs ganze Leben zieht oder schleichend beginnt, ein schrecklicher Unfall oder ein Fehler der Mediziner, der niemals hätte passieren dürfen: Die Betroffenen müssen damit leben. Besonders, wenn es von einem Moment auf den anderen passiert, dass die Menschen ihrer bisher gewohnten Mobilität und anderer physischer Fähigkeiten beraubt werden, ist das nicht selten ein schwerer Schlag. Peer Klausing hat für sich einen Weg gefunden, mit seinem Schicksal umzugehen und davon erzählt er in unserem aktuellen Beitrag.

Peer Klausing ist seit einer gescheiterten Operation teilquerschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Das hat für ihn eine umfangreiche Umstrukturierung seines Lebens bedeutet, aber inzwischen hat er seinen Platz gefunden und ist zu seiner damals noch Lebensgefährtin und jetzigen Ehefrau in die Nähe von Bremen gezogen. Ursprünglich stammt er aus Sachsen. Mit seiner Frau teilt er die Leidenschaft des Tanzens und hat in Bremen beim TanzCentrum Gold und Silber Bremen e.V., einen Ort gefunden, an dem er trotz Rollstuhl die Möglichkeit hat, sich mit anderen Menschen rhythmisch zu bewegen. Es gibt Tanzpaare mit zwei Rollstuhlfahrern aber auch gemischt mit einem Rollstuhlfahrer und einem Fußgänger. Peer Klausing beschreibt, dass dies eine ganz andere Art des Tanzens ist, als die meisten gewohnt sind, weil natürlich keine Beine zur Verfügung stehen, mit denen man Schritte ausführen könnte. Er erklärt, man müsse mehr mit dem Kopf arbeiten, weil die Bewegungsabläufe anders sind. Welche Art von Rollstuhl benutzt wird, spiele dabei keine Rolle, jeder, der im Rollstuhl sitzt und tanzen möchte, ist zugelassen. Der Rollstuhltanz ist je nach Partner mit verschiedensten Tänzen ausführbar, wie beispielsweise Walzer, Tango, Cha-Cha-Cha oder auch Quickstepp. Peer und seine Frau trainieren ein Mal die Woche, aber es können auch bis zu drei oder vier Mal werden, wenn Turniere anstehen.

Wer im Rollstuhl landet, muss erst lernen, mit der neuen Situation umzugehen, aber wenn der Punkt kommt, wo es Zeit wird nach Angeboten zu suchen, ist es oft schwer, sich richtig zu informieren und zu erfahren, was es tatsächlich alles für die eigene Situation gibt. Dabei gibt es viele Netzwerke, bei denen man sich informieren kann oder auch Vereine, die Hilfe und Aktivitäten anbieten. Als Beispiel nennt hier Jörg Dommershausen einen Verein, der sich erst kürzlich in Bremen gebildet hat, „Leben mit Schädel-Hirn-Trauma“, oder das Neuro-Netzwerk Weser-Ems. Zusätzlich zu einer guten Vernetzung innerhalb der Gemeinschaft der Rollstuhlfahrer ist es für Betroffene auch wichtig, in Kontakt zur Welt zu bleiben und Peer Klausing ist es gelungen, die Inklusion, von der so viel gesprochen wird, tatsächlich zu leben: Vor kurzem nahm Peer mit seiner Frau am Breitensporttunier für Rollstuhltanz bei den Hannoversche Tanzsporttage teil und erzielte mit ihr den dritten Platz. Auch zu den DanceDaysBerlin reisten sie quer durch Deutschland. Im September geht es für die Beiden nach Duisburg zum Tanzeninklusiv Festival.

Im Imagefilm der Rollstuhltanzgruppe des TanzCentrum Gold und Silber Bremen e.V., kannst du dir einen kleinen Einblick verschaffen, wie ein Rollstuhltanz aussieht.

Peer macht in seiner Freizeit neben dem Rollstuhltanz noch die Kampfsportart Taekwondo beim TV Heiligenloh. Als einziger Rollstuhlfahrer unter Fußgängern. Peer Klausing zeigt ein hervorragendes Beispiel, wie man als Rollstuhlfahrer das Beste aus seiner Situation machen, nah am Leben und fit bleiben kann.

Auf-geht-s-der-Reha-Podcast
Kommentare (0)




Download (12 MB)

Logo

Heute geht es um ambulante neurologische Behandlungsmöglichkeiten nach einem Unfall. Für eine vollständige Heilung nach beispielsweise einem Schädel-Hirn-Trauma ist eine solche Behandlung essentiell. Leider werden nicht immer alle neurologischen Unfallfolgen als solche erkannt. Zu den neurologischen Unfallfolgen kommen dann oftmals auch noch neuropsychologische Unfallfolgen. Dieses Thema hatte der „Auf geht’s – der Reha-Podcast!“ ja schon in seinen Sendungen mit Frau Sokoll-Potratz und Frau Armgardt aufgegriffen. Auf diesem Fachgebiet herrscht ein großer Mangel an nieder- und zugelassenen Neuropsychologinn/en, vor allem auf dem Land. Prof. Dr. med. Matthias Spranger berichtet im Gespräch über seine Arbeit und Probleme in der Behandlung.

Prof. Dr. med. Matthias Spranger ist einer der drei Betreiber des Neuropsychatricum Bremens und ehemaliger Chefarzt des NRZ Friedehorst. Früher hatte Herr Prof. Dr. Spranger als Behandlungsschwerpunkt die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen.
Mit dem Neuropsychatricum konnte Herr Prof. Dr. Spranger seine Spezialisierung auf die Behandlung von Erwachsenen erweitern. Neurologen gibt es in Deutschland in einer ausreichenden Zahl. Jedoch gibt es kaum Neuropsychologinn/en. „Das wird im Studium gar nicht behandelt“ so Professor Spranger. Auch in der Ausbildung wird das Thema nicht oder nur unzureichend angesprochen. Als Folge dessen gibt es in Deutschland kaum Neuropsychologinn/en. „In Bremen gibt es zwei zugelassene Neuropsychologen für vielleicht eine Million Menschen“.

Und in ländlichen Gegenden gibt es oftmals gar keine. Trotzdem ist das Thema bei der Rehabilitation nach einem Unfall absolut wichtig. Dabei können bei der Behandlung Komplikationen vor allem bei jungen Leuten auftreten. Denn diese haben oftmals mehr Probleme ihr Leben mit der Behandlung und Rehabilitation zu vereinbaren.
Ein weiteres Problem sind die akuten und ambulanten Behandlungen direkt nach einem Unfall. Diese sind zahlreich und wichtig können aber den Arzt, welcher die Nachbehandlung durchführt verwirren. Deshalb ist es als Patient absolut wichtig seine eigene Fallakte mitzubringen.

Auf-geht-s-der-Reha-Podcast
Kommentare (0)




Download (19 MB)

Logo

Rollstühle müssen immer individuell für den jeweiligen Benutzer eingestellt werden. Trotzdem haben viele Probleme mit ihren neuen Rollstühlen und das trotz sorgfältiger Ausmessung mit dem Maßband. Die Nachbearbeitung der Rollstühle kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und im schlimmsten Fall muss der gesamte Rollstuhl neu hergestellt werden.

Auch wenn auf dem Papier alles stimmt, kann das in der Realität nicht der Fall sein. Denn fast alle neuen Rollstuhlfahrer kennen sich nicht mit dem Fahrverhalten des Rollstuhls aus oder wissen nicht worauf sie zu achten haben. Sowohl Jörg Dommershausen als auch Mario Addicks von der Firma Meyra kennen dies bereits von vielen Patienten.

Dabei fängt es bereits bei der Vermessung an, bei der viele die Maße in einem normalen Garten- oder Bürostuhl aufnehmen. Diese Werte lassen sich absolut nicht auf einen Rollstuhl übertragen. Dadurch wird die Sitzbreite viel zu eng oder so breit, dass der Benutzer im Sitz immer hin und her rutscht. Die Position der Antriebsräder und die damit verbundene Neigung des Sitzes sind ebenfalls wichtig. Der Benutzer muss die Räder einfach bedienen können und muss ein für ihn angenehmes Fahrgefühl bekommen. Denn dieses ändert sich mit der Verschiebung der Position der Räder komplett. Auch spielt die Sitzhöhe eine entscheidende Rolle. Je nach Art der Behinderung und der Erkrankung muss der Sitz entweder tiefer oder höher eingestellt werden. Dabei muss man ebenfalls die körperliche Verfassung des Benutzers beachten. Jemand der eine gut ausgebildete Rumpfmuskulatur besitzt benötigt beispielsweise einen tieferen Sitz als jemand, der eine eher schwache Muskulatur hat. Zu guter Letzt muss dem Benutzer auch klar sein wofür er seinen Rollstuhl im Alltag braucht. Er muss ebenfalls darauf achten, dass die Verladehilfe seines Autos mit dem neuen Rollstuhl kompatibel ist.

Der Werkzeugrollstuhl Meyra Adjust von der Firma Meyra soll dies alles vereinfachen. Der Stuhl besitzt abnehmbare Räder, welche in ein Gitter gesteckt und so beliebig eingestellt werden können. Auch besitzt der Werkzeugstuhl eine frei verstellbare Rückenlehne und einen einstellbaren Sitz. Diese Einstellungen können allesamt vor Ort und ohne Werkzeuge durchgeführt werden. Das ermöglicht es den Benutzern bereits während der Erstversorgung einen perfekt sitzenden Rollstuhl zu konfigurieren. Der größte Vorteil ist jedoch, dass der Patient verschiedene Konfigurationen für seinen neuen Rollstuhl ausprobieren kann. Und das ohne den Rollstuhl dabei jedes Mal zur Werkstatt schicken zu müssen.

Auf-geht-s-der-Reha-Podcast
Kommentare (0)




Download (20,5 MB)

Logo

Im heutigen Podcast geht es um behindertengerechte Wohnraumgestaltung. Herr Böker, Architekt in Hameln, hat sich auf barrierefreies und behindertengerechtes Bauen spezialisiert. Bereits sein Onkel, bei dem er die Lehre gemacht hat, hat sich in diesem Bereich vertieft und Herr Böker, der das Architekturbüro von seinem Onkel übernommen hat, hat dessen Arbeit fortgeführt. Oft geht es vor allem darum, Klarheit zu schaffen, ob gewisse Umbauarbeiten überhaupt möglich beziehungsweise finanziell sinnvoll sind. Als Beispiel nennt Herr Böker einen Fall, bei dem ein Patient nach der Heilbehandlung provisorisch bei seinen Eltern einziehen will.

Da es sich nur um eine kurze Zeitdauer handelt, sind hier kostenintensive Maßnahmen nicht zielführend. Wie lange eine solche Planung und Umsetzung dauern kann, lässt sich pauschal nicht sagen. Herr Böker bearbeitet oft mehrere Aufträge parallel und kann seine Zeit somit nicht nur in ein Projekt investieren. Herr Böker sagt dazu: „Das kann innerhalb weniger Tage fertig sein, das kann sich natürlich auch hinziehen, insbesondere dann, wenn vielleicht sogar noch baurechtliche Sachen vorab geklärt werden müssen.“ Denn nicht immer ist das, was notwendig ist, auch erlaubt. Als Beispiel nennt Herr Böker hier ein Bauvorhaben, bei dem ein Zubau nötig wäre, dieser würde allerdings in der Bauflucht stehen und seine festgelegte Grenze überschreiten. Hier ist es notwendig, das Bauamt zu verständigen.

Natürlich gibt es hier, wie auch überall anderswo, DIN-Richtlinien. Herr Böker erklärt, dass sich diese bei Bestandshäusern oft nicht umsetzen lassen. Ist in einer Mietwohnung etwa das Badezimmer eher klein, lässt sich dieses oft nicht einfach vergrößern. Bei Neubauten ist das natürlich einfacher. Aber auch hier ist zu beachten, dass die vorgegebenen DIN-Richtlinien für den Betroffenen selbst vielleicht gar nicht passen. „Es gibt ja durchaus Versicherte, Geschädigte, die zum Beispiel größere Flächen brauchen als die, die in der Norm vorgegeben sind, weil sie mit gestreckten Beinen im Rollstuhl sitzen oder weil sie einen Pflegerollstuhl benötigen, in dem sie geschoben werden“, sagt Herr Böker. Aber nicht nur bei privaten Wohnräumen, sondern auch bei der Arbeitsplatzgestaltung ist er im Einsatz. Hier ist es aufgrund des bereits vorher getroffenen Kostenvoranschlags und der Bereitschaft der Zahlung der Berufsgenossenschaft relativ unkompliziert, die passenden Maßnahmen umzusetzen.

Sollte ein Betroffener keine Möglichkeit haben, sich an Haftpflichtversicherer oder Berufsgenossenschaften zu wenden, ist es wichtig zu erkennen, was die grundlegenden Bedürfnisse sind, denn natürlich sind solche Anpassungen oft mit hohen Kosten verbunden. Herr Böker rät: „Da muss man halt schauen, was kann ich mit meinem Geld, das mir zur Verfügung steht, wirklich machen.“ Dabei bekommt man leider oft nicht die optimale Variante, sondern eben die finanziell leistbare.

Auf-geht-s-der-Reha-Podcast
Kommentare (0)